Klinikhistorie
Bereits vor über 100 Jahren wurde das "Waldhaus" als eine "Heilanstalt für Gemütskranke" von den beiden Ärzten Dr. Max Arndt und Dr. Emil Nawratzki gegründet. Noch als Assistenzärzte in der Dalldorfer Anstalt – der späteren Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik – kauften beide das Grundstück und beantragten 1902 die "Ansiedlererlaubnis" zum Bau einer "Privatirrenanstalt" an der Potsdamer Chaussee in Nikolassee. Im März 1903 wurde mit den Baumaßnahmen begonnen und schließlich erfolgte im Januar 1904 die Gebrauchsabnahme.
Über den Anstaltsbetrieb in den ersten Jahren ist sehr wenig bekannt. Die Klinik verfügte im Jahre 1906 über 147 Betten, die von 11 männlichen und 14 weiblichen Krankenpflegern betreut wurde.
Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 verschlechterten sich die Bedingungen für die beiden jüdischen Anstaltsleiter. Die politischen Verhältnisse und wirtschaftliche Engpässe führten 1936 zum Verkauf. Käufer des Sanatoriums war der Provinzialausschuss für Innere Mission in der Provinz Brandenburg zu Berlin. Die Innere Mission, vertreten durch Pastor Dr. Theodor Wenzel, erwarb das Grundstück, um eine evangelische Kur- und Pflegeanstalt für Nervenkranke auf gemeinnütziger Grundlage zu führen.
Im September 1936 wurde Prof. Dr. Heinrich Schulte, einem Schüler des Geheimrates Prof. Bonhoeffer, die ärztliche Leitung des Waldhauses übertragen. Von Anfang an wandte er sich dem Ausbau der so genannten aktiven Behandlungsmaßnahmen der akuten Psychosen (Insulin-, Cardiazol- und Elektrokrampfbehandlung) zu. Sein Vorhaben, vor allem die Beschäftigungstherapie auszubauen, ist durch den Beginn des zweiten Weltkrieges verhindert worden.
1937 übernimmt Pastor Ernst Senf die geistliche Leitung des Waldhauses.
Laut Berliner Anstaltsliste vom 31. August 1941 standen damals 207 Betten zur Verfügung; bis 1938 war das Sanatorium eine Einrichtung für Frauen mit Langzeitpflege.
Die Kriegereignisse behinderten den Ausbau zu einer Fachnervenklinik. Ein Gebäude der Klinik wurde von 1939 bis 1945 als neurologisch-psychiatrische Abteilung des Reservelazarettes der Wehrmacht genutzt.
Die Not der Kriegsjahre und die teilweise Nutzung durch Reserve- und Kriegslazarette machten eine gute Versorgung und Pflege der Patienten fast unmöglich. Im April 1945 besetzten und plünderten sowjetische Truppen das Waldhaus; von Juli bis August 1945 waren es amerikanische Truppen, die einen Teil der Klinikgebäude nutzten. Hinzu kamen bautechnische Mängel, unzureichende Lebensmittelversorgung, fehlendes Heizmaterial, der Mangel an Bettwäsche und Kleidung sowohl für Patienten als auch für das Personal.
Noch im August 1945 wurde unter fachlicher Leitung des Bonhoeffer-Schülers, Dr. Hans Citron, mit dem Wiederaufbau der Waldhaus-Klinik begonnen. Zu dieser Zeit verfügte das Waldhaus über insgesamt 243 Betten, davon 203 Betten für neurologische und psychiatrische Erkrankungen und 40 Betten für orthopädische bzw. ansteckende Krankheiten. 11 Krankenschwestern und 18 pflegerische Hilfskräfte versorgten die Patienten. Trotz der Mangelsituation in der Nachkriegszeit lag es den Ärzten der Waldhaus-Klinik sehr daran, die wenigen zur Verfügung stehenden Heilmethoden technisch weiter zu verbessern. Dabei wandten sich ihre Bemühungen vorwiegend Modifikationen der Elektrokrampftherapie und Insulinschock-Kuren zu.
In der Funktion als Leiter der Inneren Mission vereinte Pastor Dr. Theodor Wenzel die vielfältigen Aktivitäten der Diakonie unter einem Dach und setzte sich maßgeblich für den Erhalt, weiteren Aufbau und die Entwicklung der Waldhaus-Klinik ein. Durch die Teilung Berlins nach Kriegsende fiel der größte Teil des Tätigkeitsfeldes der Inneren Mission jedoch in die sowjetische Besatzungszone. Die im Westteil der Stadt verbliebenen Liegenschaften wurden 1954 unter einem neuen Rechtsträger, dem Wichernwerk e. V., zusammengefasst. Wenige Monate danach starb Pastor Theodor Wenzel. Zum Gedenken wurde das Wichernwerk 1955 in Theodor-Wenzel-Werk e. V. umbenannt.
Die 1945 in der Hohenzollernstraße eröffnete Außenstelle der Waldhaus-Klinik mit einer internistischen Abteilung wurde 1948 mit Zustimmung des Magistrats von Groß-Berlin als Krankenanstalt mit zunächst 32 Betten unter der Bezeichnung "Krankenhaus Alsenstraße" weitergeführt. Die Inbetriebnahme eines Neubaus mit 67 Betten erfolgte 1962. Schließlich wurde die "Innere Medizin" am dortigen Standort mit 109 Betten geführt. Ein weiterer Neubau für 84 Chroniker-Betten entstand 1971. Seit 1962 trug die Einrichtung den Namen "Theodor-Wenzel-Krankenhaus". Im Jahre 2000 erfolgte die Standortaufgabe und die Fachabteilung für Psychosomatik und Innere Medizin zog auf das Gelände an der Potsdamer Chaussee.
Erst in den 1960er Jahren konnten die erheblichen Kriegsschäden der Waldhaus-Klinik beseitigt und Neubauten, die dringend erforderlich waren, errichtet werden.
1969 feierte die Klinik die Einweihung eines Neubaus für 158 Betten und Räumen für umfangreiche Diagnostik und Therapie (Zufahrt an der Straße am Waldhaus).
Die Waldhaus-Klinik in Nikolassee und das Theodor-Wenzel-Krankenhaus in Wannsee wurden unter dem Namen "Kliniken im Theodor-Wenzel-Werk" 1977 zusammengeführt. Ein Jahr später nahm die Klinik ihren ersten Computer-Thomographen in Betrieb.
Ende der 1980er Jahre wurde mit weiteren umfangreichen Baumaßnahmen auf dem Gelände der Klinik in Nikolassee begonnen, die erst im Jahre 2000 abgeschlossen werden konnten und dem heutigen Bild der Klinik entsprechen. Im selben Jahr folgte die örtliche Zusammenlegung der beiden Klinikbereiche; die Abteilung für Psychosomatik und Innere Medizin zog auf das Klinikgelände in Nikolassee.
Die Einweihung der Psychiatrischen Tagesklinik mit 15 Plätzen in der Königin-Luise-Straße 96 in Zehlendorf feierte die Klinik 1990. Das neu errichtete Domizil auf dem Gelände der Klinik bezogen Patienten und Mitarbeiter im Jahre 2004.
Seit 2009 ergänzt die Psychiatrische Tagesklinik Lankwitz mit insgesamt 20 Plätzen das ambulante Versorgungsangebot der kliniken im TWW speziell im Südwesten Berlins.
Die Kliniken im Theodor-Wenzel-Werk sind heute eine moderne Einrichtung zur Versorgung von Menschen mit seelischen, psychosomatischen und neurologischen Erkrankungen. In drei Fachabteilungen mit modernster Diagnostik und umfassenden Therapieangeboten und zwei Tageskliniken stehen insgesamt 308 Behandlungsplätze zur Verfügung. Eine ambulante Behandlung und Betreuung von Patienten erfolgt sowohl in den Tageskliniken als auch in der Psychiatrischen Institutsambulanz. Gesundheitsfördernde und präventive Angebote des Gesundheitszentrums Villa Waldhaus ergänzen seit September 2005 das Leistungsspektrum.
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