Psychosomatische Behandlung und Psychotherapie

Behandlungskonzept

Das Behandlungskonzept unserer Abteilung beruht gemäß einer tiefenpsychologischen Sicht- und Vorgehensweise auf einer ganzheitlichen (bio-psycho-sozialen) Krankheitsauffassung. Es ist ein Anliegen der Behandlung, die Wechselwirkungen zwischen körperlichen, seelischen und sozialen Prozessen zu untersuchen, die verschiedenen Aspekte dieser drei Ebenen integrativ miteinander in Verbindung zu bringen und zu behandeln. Die seelische (psychische) und körperliche (somatische) Diagnostik und Behandlung sind vor diesem Hintergrund aufeinander abgestimmt (Psychosomatik) und in krankheitsspezifische Behandlungseinheiten gegliedert.

Das Ziel der stationären psychosomatischen Behandlung ist eine an den Ursachen orientierte Therapie der hinter der Symptomatik liegenden Verhaltens- und Erlebensdispositionen in ihren körperlichen, seelischen und sozialen Aus- und Wechselwirkungen. Dabei sollen die Beschwerden vermindert werden und eine Unterstützung bei der Entwicklung günstigerer Konflikt- und Problemlösungsstrategien erfolgen, um das weitere Krankheitsrisiko zu reduzieren. Es sollen die konfliktbedingten krankmachenden Lebensstile verändert und neue Entwicklungsmöglichkeiten angestoßen werden.

Ambulantes diagnostisches Vorgespräch

Nach entsprechender Terminvereinbarung mit unserem Sekretariat wird in einem gemeinsamen Gespräch mit dem Patienten im Rahmen einer tiefenpsychologisch orientierten Anamnese die stationäre Behandlungsindikation gestellt. Hier werden die diagnostisch relevanten Merkmale, die gemeinsam mit dem Patienten vorgenommene Einschätzung seiner Belastbarkeit und Gruppenfähigkeit, die Klärung der Eigenmotivation und persönlichen Behandlungsziele sowie bei Vorliegen einer stationären Behandlungsindikation die Zuweisung zu den einzelnen Behandlungseinheiten vorgenommen.

Das Vorgespräch dient weiterhin zur Information über die Station und die Klinik, die Art und Weise des Behandlungsablaufes sowie ggf. zur Beratung über andere evtl. geeignetere ambulante oder stationäre Behandlungsverfahren.

Die stationäre Aufnahme erfolgt bei vorliegender Indikation entsprechend der Bettenlage. Aus verwaltungstechnischen Gründen sollte zu dem vereinbarten Termin bereits eine stationäre Einweisung durch einen niedergelassenen Arzt mitgebracht werden. Der einweisende Arzt wird in einem Kurzbrief über das Ergebnis des Vorgespräches informiert und um Mitteilung ggf. vorhandener Vorbefunde zum Aufnahmezeitpunkt gebeten

Stationäre Aufnahme

Stationär aufgenommen und behandelt (Krankenhausbehandlung nach § 108 SGB V) werden Patienten mit psychosomatischen und internistischen Gesundheitsstörungen sowie Patienten mit Problemen der Krankheitsverarbeitung, deren ambulante oder teilstationäre Behandlung wegen der Art, Schwere oder Chronizität der Erkrankung noch nicht oder nicht (mehr) aussichtsreich ist.

Während des stationären Aufenthaltes ist eine ärztliche Präsenz und medizinische Versorgung durchgehend gewährleistet. Neben der medizinischen Versorgung, der tiefenpsychologisch fundierten Einzel- und Gruppentherapie sind erlebnisorientierte Verfahren wie Kunsttherapie, Konzentrative Bewegungstherapie (KBT), MusiktherapieTanz- und Bewegunstherapie (in Gruppen und/oder als Einzeltherapie) fester Bestandteil der Behandlung. Es finden mit dem Krankenpflegepersonal regelmäßige Pflegevisiten, Stationskonferenzen, Kochgruppen und sportliche Aktivitäten statt. Eine sozialarbeiterische Beratung erfolgt in den Bereichen Beruf, Ausbildung, Finanzen und Wohnen.

Die Behandlungsdauer ist grundsätzlich von der Art der seelischen Störung abhängig und reicht von einer kurzen Krisenintervention bis hin zu einem mehrwöchigen Behandlungsaufenthalt.

Therapieverfahren

Das Behandlungskonzept der Abteilung ist multimodal. Dies bedeutet die gleichzeitige Anwendung mehrerer Therapieverfahren mit unterschiedlichen Einsichts- oder erlebnisorientierten Wirkansätzen.

Die verschiedenen Therapieverfahren und Therapeuten bilden unterschiedliche Übertragungsauslöser für die Patienten. In den Teamsitzungen werden die Übertragungsanteile der jeweiligen Patienten integriert und reflektiert. Von der Behandlungsdauer her gesehen, steht ein fokaler Therapieansatz im Vordergrund. Zur Fokusbestimmung sollen besonders die schlecht angepassten (maladaptiven) oder unzureichend funktionierenden (dysfunktionalen) Beziehungsmuster einen therapeutischen Schwerpunkt bilden. Dabei kommt dem engen Zusammenleben auf der Station eine wichtige therapeutische Funktion zu sowohl im Erkennen der Manifestationen habitueller/gewohnheitsmäßiger Beziehungsmuster, die so einer Bearbeitung zugänglich werden, als auch hinsichtlich des Experimentierens und der Neuerfahrung im Handeln und Erleben bzw. Korrektur überkommener Verhaltensweisen im Sinne des sozialen Lernens.

Zielsetzung der Psychotherapie ist eine Verbesserung der Konfliktbewältigungsmöglichkeiten, eine Verminderung der Symptome, eine Lösung psychosozialer und seelischer Probleme und eine Verbesserung der Lebensqualität. Soweit eine Indikation besteht kann in Absprache mit den Patienten eine medikamentöse unterstützende Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung erfolgen. Internistische oder neurologische Begleiterkrankungen werden entsprechend den individuellen Anforderungen mitbehandelt und in Visitengesprächen mit dem Patienten ausführlich erörtert.

Der Sozialdienst klärt ggf. die Wohnsituation, das häuslichen Umfeld, berät und koordiniert Arbeitsplatz- oder Ausbildungsfragen, Versicherungsstatus und die nachstationäre Versorgung zusammen mit dem Einzeltherapeuten. Im Abschlussgespräch mit dem Patienten werden die Behandlungsergebnisse bilanzierend erörtert und die Möglichkeiten einer Rückfallprophylaxe besprochen.

Im Einzelnen werden in der Abteilung die nachfolgenden Verfahren vorgehalten:

Verhaltenstherapeutische Module:

Station 8

Die Station 8 verfügt insgesamt über 34 Betten. Sie ist in zwei Bereiche aufgeteilt, in denen sowohl Einzel- und Zweibettzimmer als auch Dreibettzimmer vorgehalten werden.

Indikationsbereich

Auf dieser Station werden Patienten zur Diagnostik und Behandlung aufgenommen mit komplexen internistisch-psychosomatischen Krankheitsbildern (Komorbidität), mit Störungen des Allgemeinbefindens in Verbindung mit körperlichen Begleiterscheinungen (Somatisierungsstörungen), mit chronischen Schmerzen (somatoforme Schmerzstörungen), mit Angstzuständen (Angsterkrankungen) sowie Patienten mit Problemen der Krankheitsverarbeitung und Patienten, bei denen psychosoziale Probleme oder Konflikte ursächlich an der Entstehung oder Aufrechterhaltung der Symptomatik und der Erkrankung eine Rolle spielen, diese Zusammenhänge jedoch von den Patienten noch nicht erkannt werden.

Kontakt/ Sekretariat: Silvana Rossi-MayAnsprechpartner

Kontraindikation

Patienten mit Erkrankungen, die eine Behandlung auf einer internistischen Intensivstation erforderlich machen (Überwachung und Behandlung)

  • Patienten zur Langzeittherapie (Entwöhnung) einer stoffgebundenen Sucht
  • akute Suizidalität
  • akute Psychosen (Ausnahme: zusätzlich manifeste und akut behandlungsbedürftige internistische Erkrankung)
  • Straffälligkeit (Delinquenz)
  • Patienten mit Impulshandlungen.

Behandlungsrahmen

Je nach Krankheitsbild und Voruntersuchungen steht die internistische Diagnostik und Behandlung mehr oder weniger im Vordergrund. Nach der körperlichen (somatischen) Eingangsuntersuchung und einer tiefenpsychologisch orientierten Anamnese werden auf Grundlage der erhobenen Befunde das Behandlungsziel und der individuelle Behandlungsplan festgelegt. Die Einzel-, Gruppen-, und Spezialtherapeuten führen die Patienten in einem kurzen Vorgespräch in die einzelnen Therapieverfahren ein.

In einer speziellen Behandlungseinheit zur erweiterten Diagnostik und Motivationsprüfung komplexer psychosomatischer Krankheitsbilder werden Patienten bis maximal 14 Tagen Verweildauer aufgenommen.

Behandlungsangebot

Auf dieser Station werden die Patienten je nach Indikation einem der 4 Behandlungseinheiten zugeordnet:

  • Erweiterte Diagnostik/Kurztherapie bzw. Krisenintervention
  • Tiefenpsychologisch fundierte Gruppe I
  • Tiefenpsychologisch fundierte Gruppe II
  • Tiefenpsychologisch fundierte Gruppe III

Zusätzliche störungsspezifische, verhaltenstherapeutisch orientierte Behandlungsmodule (Schmerzprogramm, Angstprogramm) stehen zur Verfügung.

Schmerzprogramm

Wir bieten in unserer psychosomatischen Abteilung ein integriertes internistisch-psychotherapeutisches Behandlungsprogramm für Schmerzpatienten an. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Behandlung von PatientInnen mit somatoformen Schmerzstörungen; d.h. es bestehen körperliche Schmerzen in verschiedenen Körperregionen und andere körperliche Begleitsymptome, ohne dass dafür - trotz sorgfältiger fachärztlicher Abklärung - hinreichende organische Ursachen gefunden werden konnten. Diese Beschwerden sind keineswegs "eingebildet" und werden meist durch belastende Lebenssituationen ausgelöst oder verstärkt.

Neben der Teilnahme an unserem Standardprogramm, bestehend aus tiefenpsychologisch fundierter Einzel- und Gruppentherapie, sowie Kreativtherapien (z. B. Kunst-, Musik-, Tanz-, Ergotherapie) bieten wir für PatientInnen mit somatoformen Schmerzstörungen ein spezielles Behandlungsprogramm an - in Anlehnung an das von der Universitätsklinik Mainz entwickelte Konzept. Dies setzt sich zusammen aus einer:

  • Schmerzbewältigungsgruppe (einmal wöchentlich 75 Minuten)
  • der Schmerzausdruckstherapie (einmal wöchentlich 75 Minuten) und einer
  • Körperwahrnehmungsgruppe (einmal wöchentlich 45 Minuten)
  • Differenzierter Einsatz von Schmerzmedikamenten und Antidepressiva

Außerdem führen die PatientInnen unter Anleitung und Begleitung durch das Pflegepersonal ein Schmerzprotokoll, in dem u. a. die individuell erlebte Schmerzintensität erfasst wird. Die Führung eines solchen Protokolls soll für die Wahrnehmung psychosomatischer Zusammenhänge sensibilisieren und der Verbesserung und Erweiterung des bereits von den PatientInnen genutzten Repertoires an Schmerzbewältigungsstrategien dienen. Im Rahmen der Bezugspflege werden die Protokolle mit erfahrenen Pflegekräften besprochen.

In der Schmerzbewältigungsgruppe werden Informationen über den Zusammenhang von psychischen Belastungsfaktoren bei Schmerz und körperlicher Beschwerden sowie über die Möglichkeiten psychologischer Einflussnahme auf das Schmerzgeschehen vermittelt und psychologische Methoden der Schmerzbewältigung, wie z. B. Entspannungsverfahren und Imaginationsübungen, vorgestellt und eingeübt.

Angstprogramm

Für Patientinnen und Patienten mit Angststörungen (v. a. Panikstörungen, Agoraphobien, Generalisierte Angststörungen) bieten wir in unserer psychosomatisch-psychotherapeutischen Abteilung zusätzlich zu unserem therapeutischen Standardangebot, bestehend aus tiefenpsychologisch fundierten Gruppen- und Einzeltherapien, sowie diversen Kreativtherapien, eine spezielle Indikationsgruppe "Angstbewältigung" an. Dabei ist uns - ausgehend von einem tiefenpsychologischen Verständnis des Hintergrundes von Angststörungen - die Integration verhaltenstherapeutischer Behandlungselemente wichtig.

In der Gruppe werden sowohl theoretische Informationen über Angststörungen vermittelt, z. B. über deren Entstehung und Aufrechterhaltung, als auch praktische Bewältigungsfertigkeiten erörtert und eingeübt:

  • Anleitung zur Selbstbeobachtung (Eigendiagnostik)
  • Information über die Bedeutung von Vermeidungsstrategien bei Angststörungen und wie man die Vermeidung vermeiden kann
  • Einführung in Entspannungsverfahren am Beispiel der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Arbeit an angstauslösenden und -verstärkenden Gedanken (z. B. durch Selbstinstruktionstraining, Imaginationsübungen etc.)
  • Auseinandersetzung mit den körperlichen Angstsymptomen in praktischen Übungen.

Die Gruppe findet einmal wöchentlich 90 Minuten statt.

Nach entsprechender Indikationsstellung besteht auch die Möglichkeit eines individuellen Angstexpositionstrainings unter Anleitung und Begleitung einer ausgebildeten Pflegekraft.

Informationen zu psychotherapeutischen Verfahren

Station 9

Die Station 9 verfügt insgesamt über 31 Betten. Sie ist in zwei Bereiche, Station 9 a und Station 9 b aufgeteilt, die sich nach Behandlungsschwerpunkten unterscheiden und in denen sowohl Einzel-, Zweibett- als auch Dreibettzimmer vorgehalten werden.

Stationsbereich 9 a

Indikationsbereich

In diesem Bereich werden zwei unterschiedliche spezifische Behandlungsprogramme für essgestörte Patientinnen und Patienten vorgehalten. Ein Kurzliegerprogramm (maximal 3 Wochen) zur Krisenintervention, Motivation, ggf. Sondenernährung sowie ein 10-wöchiges strukturiertes Essstörungsprogramm. Während für das Kurzliegerprogramm keine Aufnahmebedingungen bestehen, ist die Aufnahme in die Langzeitgruppe an bestimmte Bedingungen geknüpft (Aufnahmegewicht, Behandlungsvertrag, Verpflichtung zur Gewichtszunahme bei Untergewicht). Aufgenommen werden Patienten mit den Diagnosen Essstörungen: Magersucht (Anorexia nervosa),
Ess-Brech-Sucht (Bulimie), Fettsucht (Adipositas) sowie die nicht anderweitig spezifizierten Formen der Essstörungen und Essstörungen in Kombination mit zusätzlichen Störungen (Komorbidität).

Kontraindikation

Patienten mit manifester substanzabhängiger Sucht, akuter Suizidalität, akuten Psychosen, Straffälligkeit (Delinquenz), Impulsdurchbrüche.

Kurzliegerprogramm

Nach Klärung der somatischen Vorbefunde steht bei diesen Patientinnen und Patienten in der Regel die internistische Diagnostik und Behandlung nicht im Vordergrund. Für noch nicht ausreichend behandlungsmotivierte essgestörte Patienten ist eine offene Behandlungseinheit zur Motivationsbildung vorgesehen mit einer kürzeren Verweildauer von ca. 3 Wochen. Das Ziel ist die Motivationsbildung, Krankheitseinsicht, Konfrontation mit dem Krankheits- und Essverhalten. Weiterhin werden in diesem Programm essgestörte Patienten mit ausgeprägtem Untergewicht und körperlicher Entkräftung aufgenommen und nach einem am Body-Mass-Index (BMI) orientierten Behandlungsplan zunächst über Magensonde unter Bettruhe bis zum Erreichen einer therapiefähigen Gewichtsgrenze ernährt. Zur Bearbeitung der Konfliktdynamik ist ggf. die Aufnahme im Intervall in der geschlossenen Behandlungseinheit vorgesehen.

10-wöchiges Essstörungsprogramm

Für essgestörte Patientinnen und Patienten mit Krankheitseinsicht wird eine Behandlung über 10 Wochen angeboten mit einem speziellen, am Gewichtsverlauf orientierten, gestuften Programm. Dieses ist einerseits symptomorientiert und andererseits konfliktorientiert. Zur Symptombehandlung gehört ein Behandlungsvertrag, in dem gemeinsame Einnahmen der Mahlzeiten unter Begleitung des Pflegepersonals, Bezugspflege, das Führen eines Ess-Tagebuches, regelmäßige Gewichtskontrollen, Kochgruppe und Ausgangsregelungen vereinbart werden. Die Erkundung und Bearbeitung krankheitsrelevanter Konflikte erfolgt in der tiefenpsychologisch fundierten Einzel- und Gruppentherapie, der Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) und in der Kunsttherapie. Als zusätzliches Behandlungsangebot steht eine Sozialarbeiterin für Fragen des Wohnens, der Ausbildung oder der Klärung finanzieller Probleme zur Verfügung. Alle Therapeuten treffen sich in regelmäßigen Teamsitzungen, um sich über den Stand der jeweiligen Behandlung zu informieren.

Stationsbereich 9 b

Indikationsbereich

Gruppenfähige Patienten mit ausreichender Ich-Stärke aus dem Diagnosespektrum: Somatisierungsstörungen, Neurosen, einschließlich belastungsfähige Frühstörungen (Narzisstische- und Borderlinestörungen), Essstörungen mit strukturellen Störungen (mit ausreichendem Basiskörpergewicht, Body-Mass-Index > 17.5) werden in diesem Stationsbereich behandelt.

Kontraindikation

Patienten mit manifester Sucht, akuter Suizidalität, akuten Psychosen, Delinquenz (Straffälligkeit), Impulsdurchbrüchen.

Behandlungskonzept

Die Station 9 b arbeitet vorwiegend tiefenpsychologisch fundiert, konfliktaufdeckend und gruppenorientiert. Zu der tiefenpsychologisch fundierten Einzeltherapie und der analytisch orientierten Gruppentherapie kommen als Spezialtherapieverfahren die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT), Musiktherapie, Gestaltungstherapie, Kunsttherapie und Entspannungstherapie hinzu. Dieses Therapieangebot wird bei entsprechender Indikation durch physikalische Maßnahmen, Krankengymnastik, Atemtherapie, Angstexposition, die Angstbewältigungsgruppe und Sozialdienst ergänzt.

Behandlungsziele

Das Ziel der Behandlung ist es, die Symptomatik als Ausdruck einer nicht mehr ausreichenden Bewältigung in der Regel unbewusster Konflikte oder fehlangepasster Beziehungsmuster zu erkennen und zu behandeln sowie ein Verständnis zu erzielen für die unbewussten Motive des eigenen Handelns und Erlebens, so dass die Patienten in der Lage sind, nach der stationären Behandlung eine meist indizierte ambulante Behandlung aufzunehmen bzw. fortzusetzen. Das Gruppenprogramm ist besonders dazu geeignet, festgefahrene Lebenseinstellungen einzelner Patienten durch Konfrontation durch Mitpatienten zu bearbeiten. Weiterhin ist diese Behandlungseinheit auch geeignet, jüngere Patienten mit Entwicklungskrisen der Jungendzeit (protrahierten Adoleszentenkrisen) in den notwendigen Ablösungsschritten vom Elternhaus über Gleichaltrige in ähnlicher Situation ("Peers") zu unterstützen.

 » nach oben

Psychotherapie – eine Hilfe für mich?

Wer kennt das nicht: Gefühle wie Nervosität, innere Unruhe oder Anspannung, Niedergeschlagenheit, vielleicht auch störende Ängste oder mal eine schlaflose Nacht. Für sich genommen, sind Erfahrungen wie diese kein Grund zur Besorgnis, sie gehören wie andere Konflikte oder Belastungen selbstverständlich zum Leben dazu. Manche psychischen oder zwischenmenschlichen Probleme erweisen sich jedoch als unangenehmer und hartnäckiger, als wir zunächst geglaubt haben. Beispiele dafür sind etwa körperliche Störungen ohne erkennbare Ursache, andauernde Erschöpfungszustände, depressive Verstimmungen, Erziehungs- oder Alkoholprobleme, scheinbar grundlose Ängste, zermürbende Ehekonflikte und so weiter.

Wenn Probleme wie diese länger andauern, wenn sie immer wieder auftreten und uns dadurch ernsthaft belasten, spätestens dann kann es sinnvoll und sogar notwendig sein, eine psychotherapeutische Behandlung zu erwägen.

Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Krankheiten in der Bevölkerung

Es mag überraschen, wie oft psychische Störungen in der Bevölkerung auftreten: Fast die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland ist im Laufe des Lebens mindestens einmal von einer ernsthaften psychischen Erkrankung betroffen. Depressionen und Angststörungen sind dabei besonders häufig. Etwa zehn Prozent erleiden einmal oder auch mehrmals im Leben eine schwere depressive Episode und mehr als fünfzehn Prozent eine Angststörung.

Nahezu ein Drittel aller Patienten und Patientinnen, die wegen körperlicher Beschwerden einen Allgemeinmediziner aufsuchen, leiden an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung. Etwa fünf Prozent der Bevölkerung benötigen eine psychotherapeutische Behandlung. In Ballungsräumen und Großstädten wird der Bedarf an Psychotherapie sogar mit ca. acht Prozent veranschlagt, etwa jeder Zwölfte ist betroffen.

Die meisten Menschen, die von psychischen Problemen betroffenen sind, würden ganz eindeutig von einer Psychotherapie profitieren. Doch nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen wird die psychische Problematik überhaupt erkannt und nur etwa sechs Prozent der Personen, die eigentlich dringend eine Psychotherapie benötigen, werden auch entsprechend behandelt.

Falls Sie überlegen, ob Psychotherapie für Sie eine geeignete Behandlungsmöglichkeit sein könnte, dann helfen Ihnen diese Zahlen vielleicht, sich selbst in einem anderen Licht zu sehen. Ganz sicher sind Sie nicht die große Ausnahme, nur weil Sie psychisch stark belastet sind oder sich in einer Lebenskrise befinden und deshalb in der professionellen Hilfe durch eine Psychotherapie eine Chance für sich sehen.

Psychopharmaka

Psychopharmaka sind Medikamente, die auf die Psyche einwirken. Sie werden häufig eingesetzt, um psychische Störungen zu beeinflussen. Ob Schlafstörungen oder innere Unruhe, Angstzustände oder Depressionen, Müdigkeit oder Antriebsschwäche, viele Medikamente versprechen in diesen Fällen rasche und unkompliziert erscheinende Hilfe. Nicht ganz grundlos sind sie immer wieder in den Verdacht geraten, vorschnell und mitunter auch unangemessen zur Bewältigung seelischer Probleme verordnet und eingenommen zu werden. So sind z. B. der Nutzen und die Wirksamkeit der meisten dieser Mittel wesentlich besser bei schweren als bei leichten psychischen Störungen nachgewiesen. Psychotherapie könnte mindestens eben so gut, wenn nicht besser wirken. Die Einnahme von Psychopharmaka sollte zumindest in den meisten Fällen von psychotherapeutischen Maßnahmen begleitet werden.

Nur Abwarten hilft nicht

Die Hoffnung, dass psychische Störungen irgendwann von allein wieder verschwinden, ist oft trügerisch. Das Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim hat im Rahmen einer Studie Menschen mit psychischen Störungen über einen langen Zeitraum beobachtet und festgestellt, dass sich nur bei einer Minderheit der Zustand ohne professionelle therapeutische Hilfe gebessert hatte. Bei den meisten bestanden die psychischen Beschwerden auch noch nach mehr als zehn Jahren fort, bei einigen hatte sich der Allgemeinzustand sogar verschlechtert.

Viele problematische Entwicklungen ziehen sich durch Abwarten erst recht in die Länge und können schließlich für die Betroffenen unerträglich werden. Die wohl häufigste Form der Selbstbehandlung: "Einfach mal raus aus dem Trott, Pause machen, durchatmen, vielleicht sich krankschreiben lassen und dann weitermachen - so wie bisher" - löst viele Probleme eben doch nicht.

Weitere Informationen

Stationäre beziehungsfokussierte Mutter-Kleinkind-Behandlung

Die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung zählt zu jenen entscheidenden Faktoren, die eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung von Kindern beeinträchtigen oder aber auch sicherstellen können. Die klinische Erfahrung mit psychosomatisch erkrankten Erwachsenen zeigt unmissverständlich, welche massiven Auswirkungen frühe emotionale Traumatisierungen nach sich ziehen können (z. B. Depression, Angsterkrankungen, Essstörungen, Verhaltensstörungen wie Rauchen, Übergewicht, Risikoverhalten mit entsprechenden körperlichen Krankheitsfolgen). Aus der Praxis der Eltern-Kleinkind-Beratung und -behandlung wissen wir, wie rasch Eltern, die selbst unter psychosozialen Belastungen leiden, in Überforderungs- und Krisensituationen geraten (z. B. Schütteltrauma, Kindesmisshandlung und -vernachlässigung) oder angesichts früher Regulationsstörungen ihrer Kinder (z. B. Schreibabys, Schlafprobleme, Fütterstörungen etc.) Hilfe suchen.

Insbesondere im stationären Versorgungsbereich klafft jedoch deutschlandweit eine enorme Versorgungslücke, nicht zuletzt, weil die Umsetzung von spezialisierten Eltern-Kind-Behandlungskonzepten einen personellen Mehraufwand erfordert, der durch die Pflegesätze der Krankenkassen für die Mutter finanziell nicht zu decken ist.

In einem Pilotprojekt der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit internistischem Schwerpunkt werden seit Oktober 2006 nach einem ambulanten Vorgespräch und entsprechender Indikation Mutter und Säugling gemeinsam stationär aufgenommen und nach Maßgabe der freien Behandlungskapazität in ein störungsspezifisches Behandlungssetting eingegliedert.

Indikation für die stationäre Mutter-Säuglings-/Kleinkind-Behandlung

  • Wenn eine behandlungsbedürftige psychische oder psychosomatische Erkrankung der Eltern und/oder des Kindes bzw. eine schwerwiegende Störung der Eltern-Kind-Beziehung vorliegt;
  • wenn sich die elterlichen und kindlichen Symptomkonstellationen wechselseitig bedingen und daher der Behandlungsfokus auf die Eltern-Kind-Beziehung und auf deren dysfunktionale Kommunikationsmuster ausgerichtet sein muss;
  • wenn ambulante Behandlung nicht oder nicht ausreichend durchführbar ist;
  • wenn eine Besserung der Symptomatik nur durch die Herausnahme des Patienten (= Eltern-Kind-Paar) aus dem bestehenden Milieu (pathogene Familiendynamik bzw. psychosoziale Konfliktsituationen) erreicht werden kann;
  • wenn die Behandlung eine engmaschige Betreuung und hohe Therapieintensität erfordert.

Ziel des therapeutischen Behandlungskonzeptes ist die integrierte Behandlung der Beziehungsstörung zwischen einem psychisch oder psychosomatisch erkrankten Elternteil und dem psychisch oder psychosomatisch erkrankten oder erkrankungsgefährdeten Säugling/Kleinkind.

Zur Anwendung kommen Methoden der beziehungsfokussierten Eltern-Säuglings-/Kleinkind-Psychotherapie. Ziel ist es, das multifaktoriell belastete familiäre Beziehungsgefüge mit seinen pathogenen Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit von Eltern und Kind zu entlasten, persönliche und familiäre Ressourcen zu mobilisieren und funktionale Kommunikationsmuster zwischen Eltern und Kind zu entwickeln.

Im Einzelnen umfasst das Behandlungskonzept nachfolgende Behandlungsmaßnahmen:

  • Diagnostik und Therapie mütterlicher und kindlicher psychischer, psychosomatischer und organischer Gesundheitsprobleme
  • Familiengespräche
  • Einzelpsychotherapie der Mutter
  • Beziehungsfokussierte, videogestützte Mutter-Säuglings-/Kleinkind-Psychotherapie
  • Gruppenpsychotherapie
  • Sozialpädagogische Betreuung der Kinder während der Therapiezeiten der Mutter
  • Sozialarbeit
  • Pflegerisch-pädagogische Maßnahmen
  • Zusätzliche indikationsspezifische Therapien (Physiotherapie, Ergotherapie, Musiktherapie)

Die stationäre Behandlungsdauer umfasst in der Regel 4 bis 6 Wochen. Im Anschluss an die stationäre Behandlung vermitteln wir Mutter und Kind im Rahmen unseres integrierten Behandlungskonzeptes, je nach Behandlungsnotwendigkeit, in eine ambulante Psychotherapie oder Beratung.

In regelmäßigen Fallkonferenzen unter Einschluss der beteiligten Berufsgruppen (Kinderarzt, Sozialpädagogin, Psychologin) wird die weitere Entwicklung unterstützt und begleitet.

Interessenten können sich im Sekretariat der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit internistischem Schwerpunkt zu einem Vorgesprächstermin anmelden:

Sekretariat/Anmeldung: Silvana Rossi-May

Weitere Informationen

Neurose

Essstörungen: Überblick

Magersucht
Ess-Brech-Sucht
Fettsucht / Dickleibigkeit

Die Behandlung von Essstörungen in unserer Klinik bezieht sich auf die Krankheitsbilder Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) und vermehrtes Essen mit Dickleibigkeit (Adipositas) sowie auf Mischformen aus diesen Diagnosen; bei Adipositas werden die Kosten für die Behandlung von den Krankenkassen allerdings nur bei medizinischen Komplikationen oder psychischen Begleiterkrankungen, die selbst eine Behandlung erfordern (z. B. Depression), übernommen.

Behandlungsziele bei Essstörungen in der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit internistischem Schwerpunkt

  • Wiedererlernen eines normalen Essverhaltens (mindestens drei feste Mahlzeiten täglich, gesündere, ausgewogene Ernährung) mit Abstinenz gegenüber gewichtsreduzierenden Maßnahmen (Medikamente, Hypermotorik, Erbrechen).
  • Annäherung an das Idealgewicht (bei Anorexie und Adipositas) bzw. Anstreben und Beibehaltung des Basisgewichtes (bei Bulimie). Anhaltende Normalisierung des körperlichen Zustandes.
  • Entwicklung eines psychodynamischen Verständnisses der Erkrankung und beginnende Bearbeitung relevanter, der Essstörung bewusst und vor allem unbewusst zugrunde liegender Konfliktbereiche.
  • Verbesserung des Körperbildes, Verbesserung einer realistischeren Selbsteinschätzung.

» nach oben

Somatoforme Störungen: Überblick

Weiter zu Behandlung somatoformer Störungen

Unter dem Begriff somatoform versteht man Krankheitserscheinungen, Symptome, die wie körperlich verursachte Erkrankungen aussehen, es aber im Grunde nicht sind. Somatoforme Störungen werden oft auch funktionelle Störungen genannt, für die eine Vielzahl von Begriffen existieren, wie z. B. vegetative Dystonie, psychovegetative Beschwerden oder auch psychogene Syndrome.

Es werden unterschiedliche Krankheitsgruppen innerhalb der somatoformen Störungen unterschieden:

  • Somatisierungsstörung, undifferenzierte Somatisierungsstörung
  • somatoforme autonome Funktionsstörung
  • anhaltende somatoforme Schmerzstörung
  • hypochondrische Störung
  • andere und nicht näher bezeichnete

Die Somatisierungsstörung ist durch wiederholt auftretende und auch häufig wechselnde körperliche Beschwerden gekennzeichnet, die nicht an ein bestimmtes Organsystem gebunden sind und für die es keine ausreichende körperliche Erklärung gibt. Sie bestehen wenigstens zwei Jahre und haben oft einen chronischen und sich verschlechternden Verlauf. Die Symptome können sich auf jedes Körperorgan beziehen. In der Folge kommt es in der Regel zu Einschränkungen der Lebensqualität und Konflikten in Beziehungen, z. B. in Familie und Beruf. Längerfristig sind wiederholte Arbeitsausfälle oder gar vorzeitige Berentung die Folge.

Bei den somatoformen autonomen Funktionsstörungen werden körperliche Symptome beschrieben, die sich auf ein Organsystem beziehen, das durch das autonome Nervenssystem versorgt und kontrolliert (innerviert) wird. Dies bedeutet, dass dieses Organsystem nicht willentlich beeinflussbar ist. Hierzu rechnet man z. B. das kardiovaskuläre (Herz-Kreislauf), das gastrointestinale (Verdauung) oder das respiratorische (Atmung) System. Zu dieser Krankheitsgruppe gehören psychogene Diarrhoe, psychogene Hyperventilation oder auch psychogene Herzbeschwerden. Vegetative Begleitsymptome sind: u. a. Herzklopfen, Schwitzen, Erröten, Zittern, Harndrang. Darüber hinaus gibt es weitere unspezifische Symptome wie flüchtige Schmerzen, Brennen, Schwere, Engegefühle und das Gefühl, aufgebläht zu sein.

Bei den somatoformen Schmerzstörungen leiden die Patienten an andauernden, schweren und oft quälenden Schmerzen, die durch eine körperliche Ursache nicht ausreichend erklärt werden können. Häufig werden sowohl von Patienten als auch von Ärzten, die über psychosomatische Zusammenhänge wenig Erfahrung haben, z. B. degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule als Schmerzursache angesehen, obwohl diese Veränderungen ab einem bestimmten Alter fast alle Menschen in der Normalbevölkerung aufweisen und dabei keine Schmerzen erleben.

Vielmehr besteht bei diesem Krankheitsbild ein Zusammenhang der Schmerzen mit emotionalen Konflikten oder auch psychosozialen Problemen. Der Schmerz rückt sehr stark in den Fokus der Aufmerksamkeit, was eine erhebliche medizinische und persönliche Betreuung zur Folge hat. Schmerz schützt als Warnsystem den Körper vor körperlichen Schäden. Da der Körper über ein individuelles "Schmerzgedächtnis" verfügt, können frühere seelische Verletzungen, lebensgeschichtliche Ereignisse und Traumatisierungen durch aktuelle Ereignisse reaktiviert werden, jedoch nur als Schmerzen wahrgenommen werden. Die Schmerzen werden so wahrgenommen, als ob ein körperliches Leiden besteht. Die Patienten leiden meist erheblich unter den bestehenden Schmerzen und den damit verbundenen Einschränkungen. Dieses Krankheitsbild neigt zur Chronifizierung. Auch hier sind längerfristig Arbeitsunfähigkeit bzw. vorzeitige Berentung die Folge, je länger die Krankheit besteht. Schmerzmedikamente oder spezifische Schmerzinjektionen haben - wenn überhaupt - nur kurzfristig Erfolg. Oft werden diese Patienten sekundär abhängig von Schmerzmedikamenten.

Vorherrschendes Kennzeichen der hypochondrischen Störung ist die mehr oder weniger fixierte Überzeugung, an einer oder mehreren schweren und fortschreitenden körperlichen Erkrankungen zu leiden. Die Betroffenen klagen über anhaltende körperliche Beschwerden oder beschäftigen sich ständig mit der eigenen körperlichen Erscheinung. Reaktionen des Körpers, die eigentlich keinen Krankheitswert haben, werden so empfunden, als ob sie Abweichungen von normalen Reaktionsweisen wären. Eine ständige Selbstbeobachtung verstärkt die Wahrnehmungen und führt die Patienten in einen Kreislauf, in dem sie auch nach Ausschluss einer körperlichen Erkrankung nicht zu beruhigen sind, vielmehr drängen sie wiederholt auf weitere körperliche Untersuchungen und Diagnostik. Sie suchen dann beim Arzt die Gewissheit an der von ihnen befürchteten körperlichen Erkrankung oder Entstellung zu leiden, was im Grad der Überzeugung variieren kann. Die Überzeugung, an einer bestimmten Erkrankung zu leiden, ist unterschiedlich intensiv. Die Einschränkungen durch die Erkrankung bestimmt die gesamte Lebensführung.

 » nach oben

Selbsthilfe

Über die Tätigkeit und Anmeldung vieler Selbsthilfegruppen in Berlin informiert die Selbsthilfe-Kontakt- und Informationsstelle SEKIS (www.sekis-berlin.de). Informationen über viele Selbsthilfeangebote in Steglitz und Zehlendorf bietet die Selbsthilfekontaktstelle im Nahbarschaftsheim Mittelhof.

Die Arbeit von Selbsthilfegruppen ist u. a. ein wichtiger Bestandteil, um Rückfälle der Erkrankung zu vermeiden, um sich gegenseitig in der Bewältigung der Erkrankung zu unterstützen, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten oder neu zu erschließen, um einer Isolation vorzubeugen.

Eine regelmäßige Teilnahme an solchen Gruppen führt in der Regel zu einem besseren langfristigen Krankheitsverlauf.

Weiterführende Informationen

Esstörungen: Magersucht

Magersucht – was ist das?

Von einer Anorexia nervosa oder Magersucht wird gesprochen, wenn die folgenden Merkmale vorhanden sind:

  • Körpergewicht mindestens 15 % unterhalb des Idealgewichtes (Idealgewicht: Körperhöhe in cm minus 100 minus 15 %), bzw. unter einem Body-Maß-Index (BMI) unter 17,5 (BMI: Körpergewicht/Körperhöhe in qm)
  • Gewichtsverlust ist selbst verursacht ( z. B. durch Vermeidung hochkalorischer Nahrungsmittel, durch Hungern, durch andere Maßnahmen wie z. B. Einnahme von Medikamenten, Erbrechen, übertriebene körperliche Aktivität)
  • Körperschemastörung oder überwertige Idee, zu dick zu sein
  • Endokrine Störung auf der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse, d. h. Störung der hormonellen Regelkreise, die sich bei Frauen u. a. als Amenorrhoe (Verlust der Regelblutung), bei Männern als Verlust der Potenz und des sexuellen Empfindens auswirken
  • bei Erkrankungsbeginn vor der Pubertät Störung der pubertären Entwicklung

Unterschieden wird eine Form der Erkrankung mit aktiven Maßnahmen zur Gewichtsabnahme (Erbrechen, Abführmittelmissbrauch) von einer Form mit Nahrungsverweigerung ohne diese Maßnahmen.

Charakteristisch ist auch eine fehlende Krankheitseinsicht bei den Betroffenen, d. h. nur ein geringer Teil der Kranken sucht von sich aus eine Behandlungsmöglichkeit.

Betroffen sind jüngere Frauen (Erkrankungsgipfel bei 14 Jahren). Der Krankheitsverlauf ist meist langwierig und zeigt eine hohe Rückfallhäufigkeit und auch eine hohe Sterberate. Nach 5 bis 6 Jahren nach Behandlungsende erfüllen etwa die Hälfte der Betroffenen nicht mehr die Kriterien einer Anorexia nervosa, bis zu 40 % erfüllen nach wie vor die vollen Kriterien einer Anorexie oder einer Bulimie und bis zu 16 % versterben im Verlauf der Erkrankung an den Folgen der Anorexie oder durch Suizid.

Was sind die Ursachen einer Magersucht?

Magersucht ist eine Störung des Essverhaltens auf der Basis einer neurotischen Entwicklung. Belastende Lebenserfahrungen und daraus entstehende unlösbare seelische Konflikte (z. B. zwischen Wünschen nach Selbstständigkeit und Erwachsensein einerseits und Wünschen nach Schutz und Geborgenheit andererseits) und die Disposition, diese Konflikte auf dem Feld des Essens bzw. Nicht-Essens und des Körpers auszutragen, sind wesentliche Gründe für das Entstehen einer Magersucht.

Auslöser der Krankheitssymptome sind meist aktuelle Lebenskrisen auf dem Boden chronischer Belastungen. Bei einem brüchigen Selbstwertgefühl kann schon eine abfällige Bemerkung über das eigene Aussehen genügen, um eine Essstörung in Gang zu setzen. Nicht selten stehen dann Diäten oder Fastenkuren im Vordergrund, aber rasch konzentrieren sich bald alle Gedanken nur noch auf den Kalorienverbrauch und das Körpergewicht. Dabei erhält dann das Essen oder Nicht-Essen die Funktion, eigene seelische Spannungen zu vermindern und auch Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen zu nehmen.

Individuell kann das Dünn-Sein vielfältige Funktionen haben, z. B. Möglichkeiten der Selbstkontrolle, Abgrenzung von anderen, um sich der eigenen Selbstständigkeit zu versichern, Schutz vor Sexualität, Erreichen eines eigenen Leistungsideals, Selbstaufwertung, als Ablehnung von Verantwortung, als Verweigerung des Erwachsenwerdens, als Wunsch nach Versorgung.

Welche Auswirkungen hat eine Magersucht?

Je nach Schwere der Erkrankung gibt es vielfältige körperliche, seelische und soziale Auswirkungen:

Die durch Hungern oder einseitige Ernährung hervorgerufene Mangelversorgung des Körpers mit notwendigen Mineralien und Vitaminen, Aminosäuren und Spurenelementen führt zu Kreislaufproblemen mit Übelkeit, Schwindel; zu Blutarmut mit Müdigkeit, Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit; zur Schwächung der körpereigenen Abwehrfunktion mit erhöhter Infektanfälligkeit; zu Störungen des hormonellen Gleichgewichtes mit Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe); zur Leberfunktionsstörung; zu Störungen des Knochenstoffwechsels, langfristig mit Verminderung der Knochendichte und -stabilität; zu Hautveränderungen und Haarausfall, zu gesteigerter Kälteempfindlichkeit, zu Störungen der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses, der Konzentration; zum Verlust eigener Körpergefühle (Hunger, Durst, Müdigkeit, Lustempfinden usw.) sowie zu Angst, Depression und sozialer Isolation.

Welche Hilfen gibt es bei Magersucht?

Essstörungen sind häufig auf tief liegende seelische Ursachen zurückzuführen, die eine kombinierte fachspezifische Behandlung erfordern. Neben einer Psychotherapie ist auch die medizinische Behandlung der aus dem Untergewicht entstehenden Komplikationen notwendig. Eine Behandlung, die auf die Beseitigung der körperlichen Symptome und Essgewohnheiten allein abzielt, hat keinen dauerhaften Erfolg, andererseits muss eine Magersucht aber auch durch die Veränderung konkreten Verhaltens (mit Gewichtszunahme) behandelt werden. Bewährt hat sich daher besonders eine Behandlung, in der verschiedene Therapieverfahren miteinander kombiniert werden (symptomorientierte Verfahren wie z. B. Führen eines Esstagebuches, gemeinsame Mahlzeiten, Wiegen; konfliktorientierte Verfahren wie z. B. tiefenpsychologische Einzel- und Gruppentherapie; erlebnisorientierte Verfahren wie z. B. Konzentrative Bewegungstherapie, Kunsttherapie). Diese Kombination von Therapieverfahren wird derzeit nur stationär angeboten.

Bei starkem Untergewicht und fortschreitender Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist eine Einweisung in ein Krankenhaus zur Beseitigung des chronischen Hungerzustandes unbedingt erforderlich und möglicherweise lebensrettend. Lebensgefahr kann nicht nur durch die Abmagerung entstehen, sondern auch durch den Missbrauch abführender oder harntreibender Mittel, der zu starken Störungen des Elektrolythaushaltes bzw. des Stoffwechsels führt. Oft kann erst nach Behebung dieser Notfallsituationen eine Behandlung im eigentlichen Sinne erfolgen.

» oben

Essstörungen: Ess-Brech-Sucht

Ess-Brech-Sucht – Was ist das?

Von einer Bulimie (Bulimia nervosa) oder Ess-Brech-Sucht wird gesprochen, wenn die folgenden Merkmale vorhanden sind:

  • Andauernde Beschäftigung mit dem Essen und Heißhungerattacken, bei denen große Mengen Nahrung in kurzer Zeit konsumiert werden
  • Versuche, dem dick machenden Effekt des Essens durch verschiedene Verhaltensweisen entgegenzusteuern (z. B. Erbrechen, Abführmittelmissbrauch)
  • Krankhafte Furcht, dick zu werden mit Anstreben eines idealen Körpers
  • Häufig Anorexia nervosa in der Vorgeschichte

Ca. 90 % der Betroffen sind weiblich; ca. 3 % der Frauen in der Altersgruppe zwischen 15 und 35 Jahren sind betroffen.

Was sind die Ursachen einer Bulimie?

Wie bei der Anorexie stehen im Hintergrund der Bulimie innerseelische Konflikte, die über den Weg des gestörten Essverhaltens ausgetragen werden. Diese Konflikte können unterschiedliche Schwerpunkte haben, berühren jedoch meist auch Fragen der Ablösung aus der Familie in der späten Jungend, des Selbstwertgefühls und der Selbstbehauptung sowie der Fähigkeit, Spannungen zu ertragen. Eine große Rolle spielen Scham- und Schuldkonflikte.

Welche Auswirkungen hat eine Bulimie?

Die körperlichen Folgen sind zum einen durch häufiges Erbrechen, zum anderen durch ein ggf. bestehendes Untergewicht verursacht. Erbrechen und der Gebrauch von Abführ- oder Entwässerungsmitteln führt zu Elektrolytverschiebungen mit Verminderung von Kalium, Natrium und Chlorid sowie zu einer Verschiebung des Säure-Basen-Haushaltes im Körper. Diese Veränderungen können zu gefährlichen Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, cerebralen Krampfanfällen oder Lähmungserscheinungen führen. Sehr häufig bestehen auch Schäden am Zahnschmelz, Schleimhautschäden in der Speiseröhre und Schwellungen der Speicheldrüsen. Ein ggf. bestehendes Untergewicht hat je nach Ausprägung die gleichen Folgen wie bei Anorexie (siehe dort). Die psychischen Folgen bestehen oft in schweren depressiven Verstimmungen einschließlich der Überzeugung zu versagen. Antriebslosigkeit, Rückzug und soziale Isolation sind die möglichen Folgen. Nicht selten kommt es auch zu finanziellen Problemen, wenn zu viel Geld für Essen ausgegeben wird oder zu Konflikten mit dem Gesetz durch Stehlen.

Welche Hilfen gibt es bei Bulimie?

Die Behandlung der Bulimie sollte immer in einer Kombination aus Psychotherapie und medizinischer Begleitung bestehen. Bei medizinischen Komplikationen, zumal wenn andere zusätzliche Erkrankungen vorliegen (wie zum Beispiel eine Zuckerkrankheit), ist eine stationäre Behandlung erforderlich. Diese ist aber auch dann nötig, wenn das Leben krankheitsbedingt in eine Sackgasse geraten ist, z. B. durch nicht aufzulösende familiäre oder partnerschaftliche Verstrickungen, Schulden wegen unbegrenzter Käufe oder Konflikte mit dem Gesetz wegen Lebensmitteldiebstahl oder aber auch bei ausgeprägten depressiven Entwicklungen mit dem Gefühl der Aussichtslosigkeit für eine Änderung des eigenen Lebens.

Wie bei der Anorexie hat sich besonders eine Behandlung bewährt, in der verschiedene Therapieverfahren miteinander kombiniert werden (symptomorientierte Verfahren wie z. B. Führen eines Esstagebuches, gemeinsame und regelmäßige Mahlzeiten; konfliktorientierte Verfahren wie z. B. tiefenpsychologische Einzel- und Gruppentherapie; erlebnisorientierte Verfahren wie z. B. Konzentrative Bewegungstherapie, Kunsttherapie). Diese Kombination von Therapieverfahren wird derzeit nur stationär angeboten. Auf längere Sicht steht eine ambulante tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie zur Verfügung, die allerdings die Bereitschaft der Betroffenen voraussetzt, sich selbst besser kennen lernen und mit sich selbst auseinandersetzen zu wollen. Auch Verhaltenstherapie hat sich als eine Behandlungsmöglichkeit etabliert.

Die tiefenpsychologisch fundierte und noch intensiver die analytische Psychotherapie umfasst die Klärung innerer und äußerer Konfliktfelder, das Aufspüren früher erlittener Traumata, die Wahrnehmung und das Ertragen von Schmerz und innerer Leere, Trauerarbeit, die Schaffung tragfähiger Beziehungserfahrung sowie die Entwicklung eigener aktiver Persönlichkeitsanteile. Sowohl analytisch orientierte Therapie als auch Verhaltenstherapie zeigen in kontrollierten Studien Wirksamkeit, die Verhaltenstherapie eher kurzfristig, psychodynamische Verfahren eher langfristig. Sowohl das Essverhalten als auch die Begleitsymptomatik verbessern sich. Nach 2 bis 5 Jahren treten jedoch noch bei ca. 30 bis 85 % der Patienten gelegentlich Heißhungerattacken auf.

» oben

Essstörungen: Fettsucht / Dickleibigkeit

Adipositas – was ist das?

Adipositas bedeutet ein erhöhtes Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße (Maßeinheit: BMI = Body-Maß-Index). Nach der Definition der WHO wird Übergewicht in Stufen eingeteilt. Danach gilt:

  • Übergewicht: BMI 25 bis 29,9
  • Adipositas Grad I: BMI über 30 bis 34,9
  • Adipositas Grad II: BMI über 35 bis 39,9
  • Extreme Adipositas Grad III: BMI über 40

Immer mehr Menschen in den Industrieländern weisen ein bedeutsames Übergewicht auf. Die Erkrankung betrifft alle Altersgruppen und beide Geschlechter gleichermaßen. Bei der psychogenen Adipositas kommt das Übergewicht dadurch zustande, dass mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht werden. Das Essen richtet sich dabei nach einer inneren Bedürfnislage und nicht nach dem tatsächlichen Bedarf.

Was sind die Ursachen einer psychogenen Adipositas?

Die Ursachen der Adipositas sind vielfältig. Es spielen biologische und konstitutionelle Faktoren, übernommene Ernährungsgewohnheiten (kalorienreiches Essen, "fast Food" usw.), aber auch körperlich ausgetragene emotionale Probleme ("Kummerspeck", "Essen als Trost" usw.), fehlende Bewegung sowie unpassende Bewältigungsmuster bei Belastungen eine Rolle.

Als Auslöser für die Gewichtszunahme wirken oft Verluste und Trennungen, Kränkungen und Enttäuschungen im beruflichen oder persönlichen Bereich. Im lebensgeschichtlichen Hintergrund der Betroffenen stehen oft Verwöhnungen (mit Essen) als Ersatz für emotionale Zuwendung. Erfahrungen, dass von den Eltern bei jedem Kummer "der Mund gestopft" wurde oder eine Erziehung zur Unselbstständigkeit sind weitere häufig anzutreffende Dispositionen.

Was sind die Folgen einer Adipositas?

Folgeerscheinungen können Störungen des Fettstoffwechsels, Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Arteriosklerose sowie Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sein. Diese Erkrankungen gehen in der Regel mit einem erhöhten Risiko verfrühter Sterblichkeit einher. Darüber hinaus kommt es häufig zu Bindegewebsschwäche und orthopädischen Beschwerden.

Was hilft bei Adipositas?

Eine Behandlung versucht auf jeden Fall, durch Diät und Förderung von Bewegung, Aktivität und Kontakten beratend und anleitend Einfluss zu nehmen. Die analytische Therapie zielt auf die Aufarbeitung der Störungen im Selbstwerterleben. Die Verhaltenstherapie fördert die Selbstkontrolle des Essens, z. B. durch genaue Buchführung über die Nahrungszufuhr. Besondere Bedeutung haben die Selbsthilfegruppen für Essgestörte ("overeaters anonymous") erhalten. In der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit internistischem Schwerpunkt richtet sich die Behandlung in erster Line auf die Förderung der Veränderungsmotivation des Betroffenen, Ernährungsumstellung, regelmäßige körperliche Aktivität sowie die Klärung und Veränderung der der Essstörung zugrunde liegenden Einstellungen. Zur Aufrechterhaltung der hier erreichten Effekte können Betroffene in ambulante längerfristige Behandlungsprogramme (z. B. Selbsthilfegruppen) vermittelt werden.

» oben

Interdisziplinäre Schmerzkonferenz

Die Behandlung von Schmerzsyndromen unterschiedlichster Ursachen ist in den letzten Jahren ins Zentrum ärztlicher Aufmerksamkeit gerückt. Schnell wurde klar, dass sich dabei Ärzte verschiedener Disziplinen in Wissen und Erfahrung ergänzen müssen, um eine erfolgreiche Therapie zu erreichen. In unserer Klinik findet sowohl von psychosomatischer als auch von neurologischer Seite ein enger Austausch mit der wöchentlich tagenden Schmerzkonferenz der Charité, Campus Benjamin Franklin (CBF), in Steglitz statt. Hieran nehmen neben den federführenden Anästhesiologen (Narkoseärzte) Neurochirurgen, Orthopäden, Kieferchirurgen, Psychologen und Psychosomatikern weitere Schmerztherapeuten mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten teil.

Schmerzsprechstunde der Charité, CBF
Montag bis Freitag,
8.00 bis 12.00 Uhr
Tel (0 30) 84 45-33 86

» nach oben

Aktuelles

4. Liquorsymposium im Veranstaltungssaal der Kliniken im TWW

29.02.2012 - 01.03.2012 | in Kooperation mit dem hospital Laborverbund Brandenburg-Berlin

» Download Einladung

TWW-Konzertreihe 03/2012

08. März 2012 um 17.00 Uhr | im Veranstaltungssaal der Kliniken im TWW, Eintritt Frei

» Download Plakat

Rückblick Schmerz lass' nach! im Loft der Urania

08.12. 2011 | ein Informationsabend der Kliniken im TWW

» Hier einige Eindrücke

» Neurologie der Kliniken im TWW

Rückblick Eröffnungsfeier Haus Rüsternallee

02.09.2011 | mit zahlreichen Gästen aus Politik und Kultur

» Hier einige Eindrücke

Tabu-Thema Ess-Störung

Mediziner und Therapeuten
informieren an Berliner Schulen zu Früherkennung und Behandlung

www.tabuthema-ess-stoerung.de
» Download Infoplakat